„Das Berührungsverbot“: Neuauflage zum 50. Jubiläum der Veröffentlichung

DAS BERÜHRUNGSVERBOT
Verbrecher Verlag Berlin
Broschur, 248 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783957324252

„Gisela Elsner […] versammelt einen Freundeskreis von Durchschnittstypen, Stammtischbrüder und Gehaltsempfänger samt den Ehehälften, zu verdrossenen, hausbackenen Orgien“, kündigt der Spiegel im September 1970 die Neuerscheinung von Elsners Roman „Das Berührungsverbot“ an und ergänzt ganz richtig: „[…] Kleintragödien […] sind Gisela Elsners Stärke.“

Anlässlich des 50. Jahrestages der Erstveröffentlichung erscheint „Das Berührungsverbot“ nun in einer Neuauflage des Berliner Verbrecher Verlags mit einem Nachwort von Veronika Kracher. 

Konzipiert als Anti-Porno nimmt Gisela Elsner in der bissigen Satire die – nicht ganz so freie – sexuelle Befreiung der 68er Generation unter die Lupe. Nicht ohne Aufsehen: Im Erscheinungsjahr wurde der Roman in Österreich als jugendgefährdend eingestuft, während man im Nachbarland Schweiz eine Zeitschrift konfiszierte, die Textauszüge abdruckte. 

Im Roman wollen mehrere Paare sich im sogenannten Gruppensex üben, um der Spießigkeit ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Doch der Ausbruch, der nie einer war, endet mit einer Bestrafungsaktion.

Katharina Rutschky schrieb in der Frankfurter Rundschau: „Ist Gisela Elsner mit ihrer ungebändigten Lust an der Groteske und ihrem Insistieren auf einem apsychologischen Konstruktivismus nicht eine ältere Schwester von Elfriede Jelinek, die mit dieser Methode und teilweise vergleichbaren Inhalten bis heute erfolgreich ist?“

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Reiseseminar: Zeit zum Denken & für Satire in der Sächsischen Schweiz

Freitag – Sonntag, 25.09. – 27.09.2020, 16:00 – 17:00 Uhr

„Was darf Satire? Alles.“ Kurt Tucholskys Statement ist legendär und man kann es gegenwärtig immer wieder lesen. Was ist das besondere der Satire? Als literarisches Verfahren kann sie etwas leisten, was Angehörigen einer sozialen und/ oder ethnischen Gemeinschaft so schwer fällt: aus einer gewissen Distanz heraus eine alternative (andere, fremde, ungewohnte) Perspektive zu gewinnen, die für die kulturelle Selbsteinschätzung einer sozialen Gemeinschaft oder Gruppe von zentraler Bedeutung ist.

Im Reiseseminar: Zeit zum Denken & für Satire. Zur Aktualität der Werke der Satirikerin Gisela Elsner (1937-1992)
in der Sächsischen Schweiz, Wehlen
setzen wir uns mit literarischer Satire auseinander, exemplarisch mit dem Werk Gisela Elsners vor dem Hintergrund deutscher Nachkriegsgeschichte sowie der Geschlechterfrage.

Die Festschreibung der Frau auf das „andere Geschlecht“ (Simone de Beauvoir) und die dadurch bedingte paradoxe Situation des Teilhabens an und zugleich Ausgeschlossenseins von der Kultur führen zu Widersprüchen, die sich auch in den Werken weiblicher Autoren niederschlagen. Gemeinsam werden wir Auszüge aus Elsners Werk betrachten und über den Reflexionsraum, ggf. auch Aktionsraum diskutieren, den Satire bzw. künstlerisch-satirische Formate bieten können.

Ist Satire ein wirksames Mittel gesellschaftspolitischer Kritik? Kann Satire eine Annäherung an Politik bzw. gar Erkenntnis über politische Prozesse leisten? Oder handelt es sich schlicht um ein willkommenes Ventil für verbale Aggressionen?

Unterbringung in Mehrbettzimmern im Ferienhaus Wehlen

Teilnahmebeitrag trägt zu ⅔ zur Gesamtfinanzierung des Seminars bei.

Verpflegung wir werden gemeinsam kochen

Leitung PD Dr. Christine Künzel, Literaturwissenschaftlerin (Vorsitzende Internationale Gisela Elsner Gesellschaft) und weiter.

Kosten: 20 Euro

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Ein letztes Mal! GISELA ELSNER: HEILIG BLUT in Frankfurt/Main

am SA, 30.03. und SO, 31.03.19 um 20 Uhr läuft zum letzten Mal die Inszenierung GISELA ELSNER: HEILIG BLUT von Dramaturgin Dr. Sylvia Necker und Regisseurin Hannah Schassner // jeweils 20 Uhr, an den Landungsbrücken Frankfurt am Main.

Wer ist eigentlich der junge Gösch? Wer sind Hächler, Glaubrecht und Lüßl? Was wollen drei Alt-Nazis mit einem verweichlichten Kriegsdienstverweigerer im tiefsten deutschen Wald?

Gisela Elsners so gut wie unbekannter Road-Movie-Roman “Heilig Blut” (1982) hetzt durch Wälder, Jagdhütten, schäbige Wirtshäuser und verquaste Dörfer. Er ist eine bitterböse Analyse satter bundesdeutscher Wirklichkeit der 1970er Jahre und gibt Einblick in eine tief internalisierte NS-Volksgemeinschaft. Doch Elsner zeigt auch ihre Adaptierbarkeit: Deutsche Tugend und Ehre sind eben zeitlos – gefährlich.

Der Theaterabend „Gisela Elsner: Heilig Blut“ transformiert die scharfen Wortkaskaden und groteske Überhöhung Elsners in Bild- und Klangmetaphern, indem er sie durch einen synästhetischen Verstärker jagt und kratzt damit lustvoll die Aktualität der Erzählung aus den Spuren, die sie im Schnee von Heute hinterlassen hat. Und wie immer fällt irgendwann ein Schuss.

Mit:  Ole Bechtold, Christoph Maasch und Silvana Morabito

Regie/Textfassung:  Hannah Schassner // Dramaturgie/Textfassung/ Komposition:  Sylvia Necker // Ausstattung:  Hannah von Eiff // Assistenz:  Andrea Busmar // Regiehospitanz:  Christian Funk //  Technik:  Linus Koenig 

Flyer der Theaterproduktion als Download: HeiligBlut, Flyer

Weitere Informationen unter http://www.landungsbruecken.org/de/programm_aktuell.php?t524=detail,4120

Grafik: Prisca Ludwig

Gisela Elsner im Brecht Jahrbuch 43 (2018)

Zusammen mit dem Literaturforum im Brecht-Haus lud die Internationale Gisela Elsner Gesellschaft e.V. im September 2017 zum Symposium „V-Effekte und andere Versuche, die Wirklichkeit zu bewältigen“ nach Berlin ein.

Einige der spannenden Beiträge zur dramaturgischen und stilistischen Verwandtschaft von Brecht und Elsner finden sich nun zum Nachlesen in einer bedeutenden Publikation wieder:

The Brecht Yearbook / Das Brecht Jahrbuch 43, erschienen im November 2018, präsentiert je einen Beitrag von Dr. Christine Künzel, Carsten Mindt, Judith Niehaus und Sebastian Schuller. Das Inhaltsverzeichnis und die Abstracts zu den jeweiligen Beiträgen können Sie hier einsehen:

Brecht Jahrbuch 43 | Brecht und Gisela Elsner

Weitere Informationen: http://www.brechtsociety.org/media/brecht_yearbook

Impressionen und Berichte des Symposiums 2017: https://www.giselaelsner.de/rueckblick-symposium-zu-gisela-elsner-und-bertolt-brecht/

Nachruf: Manfred Weiß

Traurig nehmen wir Abschied von unserem Vorstandsmitglied Manfred Weiß, der am 25. September 2018 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist. Manfred Weiß hat die Internationale Gisela Elsner Gesellschaft seit ihrer Gründung begleitet. Sein engagiertes Eintreten für eine gesellschaftskritisch orientierte politische und kulturelle Bildungsarbeit wird uns fehlen.

Rezension: Theaterinszenierung von HEILIG BLUT

Gisela Elsners so gut wie unbekannter Roman “Heilig Blut” (1982) ist die tiefschwarze Bewertung einer tief internalisierten NS-Volksgemeinschaft in der bundesdeutschen Wirklichkeit der 1970er Jahre.

Die Theatermacherinnen Sylvia Necker und Hannah Schassner haben Gisela Elsners „Roadmovie“ (wie es im Programm heißt) für die Bühne der Landungsbrücken Frankfurt am Main erstmals dramatisiert. Dr. Christine Künzel, erste Vorsitzende der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft, hat sich die Inszenierung angesehen. Ihre Rezension „Junger Gösch mit brauner Soße“ finden Sie hier: PDF Download

Die Theaterproduktion „Heilig Blut“ ist noch bis ins Frühjahr 2019 in Frankfurt am Main zu sehen. Weitere Aufführungstermine: 14.+ 15.11.2018 // 26. + 27.01.2019 // 28.02. + 01.03.2019 // 30.03. + 31.03.2019, jeweils um 20 Uhr. Alle wichtigen Informationen unter www.landungsbruecken.org. Tickets unter karten@landungsbruecken.org

LESUNG IN JENA AM 18.04.2018 | VERSUCHE, DIE WIRKLICHKEIT ZU BEWÄLTIGEN

Im Rahmen des Festivals „Come Quick Danger“ mit „Multiperspektivischen Positionen
zur Schieflage der Nation“, das vom 10. April bis zum 8. Juli 2018 im Theaterhaus Jena stattfindet, gibt es am

18. April 2018 um 19 Uhr im Oberstübchen eine Lesung unter dem Titel „Versuche, die Wirklichkeit zu bewältigen“ mit Texten von Gisela Elsner.

Karten und weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite des Theaterhaus Jena.

NEUE RUBRIK: GALERIE

Die Internationale Gisela Elsner Gesellschaft e.V.  veranstaltet und unterstützt Tagungen, Lesungen und Symposien sowie Theaterproduktionen und Ausstellungen zu Gisela Elsner. Fotos von diesen Veranstaltungen und Aufnahmen von Gisela Elsner selbst finden Sie ab sofort in der Rubrik „Galerie“.

NEUE RUBRIK: GISELA AKTUELL

Im Kontext aktueller politischer und gesellschaftlicher Ereignisse scheint Gisela Elsners Werk eine visionäre Kraft zu entwickeln. In unserer neuen Rubrik „Gisela Aktuell“ finden Sie ab sofort Textausschnitte und Essays von Gisela Elsner, die aktuelle Debatten in der Bundesrepublik widerspiegeln.

In einem ersten Beitrag blicken wir durch die Linse von Elsners Roman „Otto der Großaktionär“ auf die aktuellen VW-Abgasskandale. Hier weiterlesen

    

VORTRAG IN GREIFSWALD: „Ich war die erste Frau, die eine Satire schrieb“ – Die Auferstehung der Gisela Elsner

Gisela Elsner Ausstellung in Sulzbach-Rosenberg

Vortrag und Lesung von Dr. Christine Künzel, Erste Vorsitzende der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft e.V.  zum 80. Geburtstag von Gisela Elsner im Rahmen der Ausstellung „Ratsam wäre es gewesen, diesen Saal nicht zu betreten“ im Koeppenhaus Greifswald:

19. Januar 2018, 19.30 Uhr

Am 2. Mai 2017 hätte Gisela Elsner ihren 80. Geburtstag gefeiert, aber sie nahm sich am 13. Mai 1992 im Alter von 55 Jahren das Leben. Die in Nürnberg geborene und aufgewachsene Elsner zählt zu den bedeutendsten Satiriker(inne)n der Bundesrepublik Deutschland. Kennzeichnend für den Stil Elsners, die sieben Jahre im Ausland
(Rom und London) lebte, ist der fremde Blick auf das Vertraute, Alltägliche, ihr Heimatland.

In ihren Romanen, Erzählungen und Essays setzte sie sich immer wieder mit den Folgen der NS-Diktatur auseinander. Ihr Werk ist nicht zuletzt wegen seiner satirischen Schärfe und politischen Positionierung bis heute umstritten.

1964 für ihren Erstling „Die Riesenzwerge“ gefeiert, geriet Elsner in den 1980er Jahren zunehmend ins literarische Abseits. Erneute Aufmerksamkeit erlangte die Autorin durch den Film „Die Unberührbare“ (2000) ihres Sohnes Oskar Roehler.

Referentin Dr. Christine Künzel wird Gisela Elsner anhand eines Vortrags und ausgewählter Texte vorstellen.

Weitere Informationen im Programm des Koeppenhaus Greifswald, mehr zur laufenden Ausstellung finden Sie auf den Seiten der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft e.V. und auf der Homepage des Koeppenhaus Greifswald.