Erstmalige Verleihung des Gisela-Elsner-Literaturpreises

Der Literaturhaus Nürnberg e.V., hat sich personell neu formiert und inhaltlich neu ausgerichtet. Zur Förderung des literarischen Lebens in der Stadt und darüber hinaus hat der rein ehrenamtlich organisierte Verein einen mit 10.000 € dotierten Preis ins Leben gerufen, der an die großartige, unbequeme, in Nürnberg geborene Schriftstellerin Gisela Elsner (1937-1992) erinnert.

Verliehen wird der Gisela-Elsner-Literarutpreis erstmals am 10. Juli 2021 um 19 Uhr im Literaturhaus Nürnberg.

Zur ersten Preisverleihung hat Gisela Elsners Freundin, die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, einen sehr persönlichen Text verfasst:

Eine Frau springt aus einem Fenster. Die Luft war ihr kein Gegner mehr, man konnte sie mit dem eigenen Körper durchschneiden, wie ein heißes Messer (das Gisela war) die Butter durchschneidet. Oder, so hat es begonnen: Alles, was sie umgab, ja, auch die Luft, war ihr Gegner. Vor lauter Gegnern sieht man die Freunde nicht mehr, die sich ohnedies schon lang nicht mehr versammelt haben. Gisela Elsner hat mich als ihre Freundin bezeichnet, worauf ich stolz bin, doch ich habe mich nicht bewährt. Nicht bewehrt war diese Frau gegen die Luft, die zu einer Art Gallerte geworden war, nicht mehr zu durchdringen, jeder Millimeter Luft nur mehr unter Einsatz des eigenen Körpers, wenn man sich in diesen zähen Brei überhaupt hineinwagt. Dann ist es, wie in Aspik zu schwimmen, denn wenn alle Gegner geworden sind, dann ist da niemand mehr, den man noch angreifen kann. Nachdem man selber schon alles, was einen umgibt, in der Hand gehabt, angesehen und verworfen hat, dann ist man selbst verworfen, so wie der Computer einen fragt, ob man einen Text behalten oder verwerfen möchte. Gisela wollte ihre Texte den Menschen vorwerfen, und sie hat geschrieben, was sie den Menschen vorzuwerfen hatte. Als sie es dann bekamen, schienen sie es nicht zu wollen. Sie haben es nie gewollt. Zartfühlig, wie sie es waren, zeigten sie sich überaus erleichtert darüber, daß man es ihnen nicht zumutete, den Vertilgungen (von Ungeziefer, das die Menschen sind, weil man sie so behandelt hat, weil man sie getötet hat, bis ihnen die mit Giftpulver vermengte Luft in den Vertilgungsräumen den Atem nahm) beizuwohnen. Diese Stelle ist ein ins leichter Zumutbare abgewandeltes Zitat aus Giselas Roman „Otto der Großaktionär“. Spurlos wie totes Ungeziefer sollen Menschen also verschwinden und sind auch verschwunden. Man kann nichts andres sagen, aber man sagt ja immer was, ununterbrochen, sodaß man im Grunde nichts mehr sagt. Spurlos wird Gisela Elsner jetzt nicht mehr verschwinden können, denn es ist ein Literaturpreis ihr gewidmet, der den Gewinner, die Gewinnerin zumindest für eine Weile nicht verschwinden lassen wird, sondern hervorhebt. Das freut mich sehr für meine verstorbene Freundin Gisela Elsner. Und für die kommenden Preisträgerinnen und Preisträger. Ich gratuliere. Sie sollen ein Leben haben und diesen schönen Preis dazu, der sie an eine Schriftstellerin erinnern soll, die nicht verschwinden darf.

Elfriede Jelinek

Die Jury hat Natascha Wodin den 1. Gisela-Elsner-Literaturpreis zuerkannt. Geboren in Fürth als Kind von russischen Zwangsarbeitern, verbrachte Wodin ihre Kindheit unter bedrückenden Verhältnissen in Nürnberg und Forchheim. Jahre später kehrte die Autorin nach Nürnberg zurück und wohnte hier einige Zeit mit ihrem damaligen Ehemann, dem Dichter Wolfgang Hilbig, ehe sie sich in Berlin niederließ.

Nicht in erster Linie die biografischen Bezüge zur Region waren jedoch für die Entscheidung der Jury ausschlaggebend, sondern Natascha Wodins vielschichtiges, sprachlich brillantes Werk, das sie immer wieder zu den Themen Entwurzelung und Heimat, komplexen menschlichen Beziehungen und den deutschen und europäischen Zeitläuften widmet.

Auszug aus der Jurybegründung:

„Das Werk der 1945 in Fürth als Kind russischer Zwangsarbeiter geborenen Natascha Wodin steht beispielhaft für das Nachdenken über die Verwerfungen der europäischen Nachkriegsepoche. Zugleich durchleuchtet es mit großer sprachlicher Sensibilität und skrupulöser, bisweilen zärtlicher Distanz die Probleme menschlicher Beziehungen bis hinein in ihre schmerzhaften Abhängigkeiten und düsteren Abgründe. Darüber hinaus sind ihre Romane wie „Sie kam aus Mariupol“, „Irgendwo in diesem Dunkel“, „Nachtgeschwister“ oder „Die gläserne Stadt“ ein Plädoyer für einen genaueren Blick auf die Außenseiter der Gesellschaft und deren Schicksale.“

Die Laudatio auf Natascha Wodin wird der Autor und Journalist Jörg Magenau halten.

Der Gisela-Elsner-Literaturpreis des Literaturhaus Nürnberg e.V. soll alle zwei Jahre verliehen werden, normalerweise an Elsners Geburtstag, dem 2. Mai. 

Weitere Infos beim Literaturhaus Nürnberg e.V.: https://literaturhaus-nuernberg.de/gisela-elsner-literaturpreis

Münchner Kammerspiele: „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ Premiere am 5. Juni 2021

Der Sprung vom Elfenbeinturm“

Nach Texten von Gisela Elsner

Ein Abend gegen deine spießbürgerlichen Phantasien, deine Lebenslügen und deine Kompromisse

Premiere am 5. Juni 2021 um 19.30 Uhr,Münchner Kammerspiele 

TICKETS HIER BESTELLEN

Fassung: Pınar Karabulut und Mehdi Moradpour

Regie: Pınar Karabulut

„In Gisela Elsners Werken spielen Schrauben und Sexspielzeuge genauso eine Rolle wie groteske Essrituale, Wölfe oder Kinder, die Bomben lieben und ein KZ errichten. Mit sezierenden Blicken und sprachlicher Überhöhung erkundet die Satirikerin Untiefen der Nachkriegszeit und der Bundesrepublik vor 1990, die auch unsere Gegenwart prägen: faschistisches Denken, Geschichtsverdrängung, maßloses Wachstum, hierarchische Geschlechterverhältnisse und soziale Ungleichheit. Regisseurin Pınar Karabulut, die auf feinfühliges und kritisch-innovatives Theater setzt, inszeniert einen Abend mit Texten einer Autorin, die stets die Normalität anklagte, und sich nach dem Scheitern des Kommunismus 1992 in München in den Freitod stürzte.“

Quelle: https://www.muenchner-kammerspiele.de/de/programm/45-der-sprung-vom-elfenbeinturm

TICKETS HIER BESTELLEN

Onlineseminar: Zeit zum Denken und für Satire. Zur Aktualität der Werke der Satirikerin Gisela Elsner (1937-1992)

Freitag – Sonntag, 11.06. – 13.06.2021, 16:00 – 19:00 Uhr,Beginn Freitag 16 Uhr, Ende Samstag 19 Uhr

„Satiren […] galten wie Bordellbesuche ausschließlich als Männersache.“
-Gisela Elsner-

„Was darf Satire? Alles.“ Kurt Tucholskys Statement ist legendär und man kann es gegenwärtig immer wieder lesen, bei kontrovers diskutierten satirischen Texten bezüglich gesellschaftlicher bzw. politischer Themen. Was ist das besondere der Satire? Als literarisches Verfahren kann sie etwas leisten, was Angehörigen einer sozialen und/ oder ethnischen Gemeinschaft so schwer fällt: aus einer gewissen Distanz heraus eine alternative (andere, fremde, ungewohnte) Perspektive zu gewinnen, die für die kulturelle Selbsteinschätzung einer sozialen Gemeinschaft oder Gruppe von zentraler Bedeutung ist.

Im Seminar wollen wir uns daher mit literarischer Satire auseinandersetzen, exemplarisch mit dem Werk der Satirikerin Gisela Elsner und dies vor dem Hintergrund deutscher Nachkriegsgeschichte. Dabei widmen wir uns auch der Geschlechterfrage. Denn die Festschreibung der Frau auf das „andere Geschlecht“ (Simone de Beauvoir) und die dadurch bedingte paradoxe Situation des Teilhabens an und zugleich Ausgeschlossenseins von der Kultur führen zu Widersprüchen, die sich auch in den Werken weiblicher Autoren niederschlagen. Im Seminar werden wir gemeinsam mit den Teilnehmenden satirische Auszüge aus Elsners Werk betrachten und vor dem Hintergrund deutscher Geschichte besprechen. Darüber hinaus wollen wir über den Reflexionsraum, ggf. auch Aktionsraum diskutieren, den Satire bzw. künstlerisch-satirische Formate möglicherweise bieten kann. Ist Satire auch heute noch ein wirksames Mittel gesellschaftspolitischer Kritik? Kann Satire eine Annäherung an Politik bzw. gar Erkenntnis über politische Prozesse leisten? Welche besonderen Chancen stecken darin oder ist es schlicht ein willkommenes Ventil für verbale Aggressionen?

Leitung PD. Dr. Christine Künzel (Vorsitzende Internationale Gisela Elsner Gesellschaft), Kerstin Behrens (Dramaturgin, Staatsschauspiel Dresden), Karen Packebusch (bildende Künstlerin), n.n.

Der Teilnahmebeitrag trägt zu 2/3 zur Gesamtfinanzierung des Seminars bei. Kosten: 20 Euro

Seminarprogramm hier herunterladen.

Vernissage und Ausstellung: „Berührungsverbote – Annäherung an Gisela E“

Online-Doppelvernissage Gefühle (r)aus! Glocal Emotions & Berührungsverbote – Annäherung an Gisela E

Freitag, 07.05.2021, 20:00 – 22:00 UhrGalerie Adlergasse im Kultur Forum – Wachsbleichstraße 4a, EG, 01067 Dresden
Runde Ecke – Adlergasse 12/Ecke Wachsbleichstraße, 01067 Dresden

riesa efau eröffnet am 7. Mai, um 20 Uhr die Ausstellung, mit der Möglichkeit, online dabei zu sein. Per Livestream auf dem youtube-Kanal (riesa efau). Im Anschluss geht es via zoom zu Gesprächen und Rundgängen durch die Ausstellungen. Livestream: www.youtube.com/watch?v=CDlVbGSVy_0

In der Galerie Adlergasse und Runde Ecke in Dresden empfangen die Kurator*innen Michael Klipphahn und Karen Packebusch und eröffnen die Ausstellung: Berührungsverbote – Annäherung an Gisela E. Dr. Christine Künzel, Vorsitzende der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft, wird ebenfalls zugeschalten sein.

Nach den gemeinsamen Einführungen sind Sie herzlich zu einem Gang durch die Ausstellungen mittels zoom einladen. Dafür werden die vier Kurator*innen zu den einzelnen Arbeiten gehen.

Zugang zu Zoom:

https://zoom.us/j/96718742422?pwd=dmpvdXBvLzZHdENYYm5RVmFiYVNEUT09

Meeting-ID: 967 1874 2422
Kenncode: 452862

— Die Schriftstellerin Gisela Elsner (1937-1992) bildet das Zentrum dieses außergewöhnlichen Ausstellungsprojektes – eine Autorin, die das eigene Land, die BRD, stets als Fremde wahrgenommen hat, daher auch ihr satirischer und unerbittlicher Blick, mit dem sie die Rituale des Klein- und Großbürgertums sezierte.

In der Auseinandersetzung mit einzelnen Facetten der Autorin versuchen die beteiligten Künstler*innen, sich dem Werk und der Person Gisela Elsners anzunähern. Durch diese Setzung konfrontieren sich die Künstler*innen mit Fragen, mit denen auch die Nachkriegsgeneration, wenn auch aus anderen Gründen, konfrontiert gewesen ist: dem Wegfall des Systems der Elterngeneration, Entgrenzungsdrang entgegen starrer Konformitätenlogik und der Suche nach einer Reibungsfläche, die in einer marktfundamentalistischen Gesellschaft ihre Entsprechung gefunden hat. Dieses Ankämpfen lässt sich auch mit Elsners radikaler Abkehr von der Selbstzufriedenheit der Wirtschaftswundergeneration, ihrer Flucht vor tradierten Beziehungsmodellen und der Wut auf den spießigen Muff der Nachkriegsgesellschaft in Einklang bringen.

Die Werke der Künstler*innen treffen nun zusammen auf ausgewählte Texte der Autorin und Exponate zu ihrer Person und werfen in dieser Zusammenstellung neue Fragen auf: Welche neuen Interpretationshorizonte ergeben sich aus der intermedialen Konfrontation dieser Texte und Bilder? Welche Formen der ästhetischen Erfahrung bzw. Erkenntnis eröffnen sich in diesem intermedialen Diskurs? Welche Gedanken, Ansätze und Analysen dieser frühen feministischen und kapitalismuskritischen Stimme der BRD bieten Schnittstellen oder Anknüpfungspunkte für die Gegenwartskunst?

Künstler*innen Robert Brandes, Maja Gratzfeld, Max Kowalewski, Michael Klipphahn, Alex Lebus, Lilli Loge, Karen Packebusch, Johanna Rüggen, Robert Vanis, Susan Donath, Maria Schwerdtner und Lutz Fleischer

kuratiert von Michael Klipphahn, Karen Packebusch und Dr. Christine Künzel
in Kooperation mit der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft und Denise Ackermann/ riesa efau. Kultur Forum Dresden

‣  Vernissage Fr 7.5. ‣ 20 Uhr
‣  Ausstellungsdauer 7.5. –11.7.2021
‣  Öffnungszeiten Mi, Do, Fr 16-19 Uhr, Sa & So 14-18 Uhr
‣  Eintritt 4/3 €, Freitag Eintritt frei (Kombiticket 6/4 € inkl. der Ausstellung in der Motorenhalle)

VORTRAG am 26.05.2021: Meet the International Gisela Elsner Gesellschaft

mit Michael Peter Hehl ggf. online, kostenfrei, Anmeldung erforderlich

Im Mai 2012 gegründet, befasst sich die Internationale Gisela Elsner Gesellschaft mit der Erschließung des schriftstellerischen Werkes der Autorin. Dabei geht es ihr nicht um eine Art “Heiligenverehrung”, sondern um eine kritische Würdigung und Verortung ihrer Texte in den Auseinandersetzungen um den historischen und literarischen Weg Deutschlands nach 1945.

Heute wie zu Gisela Elsners Zeiten werden Debatten in Literatur und Politik absolut kontrovers geführt, der Diskurs zu existentiellen Fragen in Kultur und Gesellschaft gerät immer mehr zu einer Polarisierung diametral entgegengesetzter Sichtweisen.


Michael Peter Hehl, stellvertretender Vorsitzender der Gisela Elsner Gesellschaft, Literaturwissenschaftler und Wissenschaftlicher Leiter des Literaturarchivs Sulzbach- Rosenberg wird in seinen Ausführungen die Ziele der Arbeit der Gesellschaft umreißen und die Wirkungsgeschichte Gisela Elsners und die aktuelle Bedeutung ihres schriftstellerischen Werks skizzieren.

TERMIN: 26.05.2021 | 20:00 – 22:00 Uhr | Online oder in der Motorenhalle, Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden, in Abhängigkeit der Corona-Situation

Eintritt frei, ANMELDUNG ZWINGEND ERFORDERLICH!!! (Bis einen Tag vor der Veranstaltung möglich.) Weitere Infos und Anmeldung HIER.

Online Lesung: Fliegeralarm

https://www.facebook.com/events/931952277625831/

Am 11.2 2021 um 20.00 Uhr gibt es eine Online-Lesung in Kooperation mit riesa efau im Rahmen der gemeinsame Aktionen Dresdner Kultureinrichtungen / Initiative #weltoffenesdresden (#wod) zur „Woche des Erinnerns“ vom 8.-15. Februar 2021.

Eine Gruppe von Kindern blüht in den Trümmerlandschaften, die die Bombenangriffe in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges hinterlassen haben, regelrecht auf. Es ist für sie ein neuer Abenteuerspielplatz, auf dem sie im Spiel in makaberer Weise die Prinzipien und Strukturen des NS-Staates imitieren. Eine rabenschwarze Satire stellt Gisela Elsners Roman „Fliegeralarm“ dar, den sie in nur acht Tagen und Nächten geschrieben hat. Eine Gruppe von fünfjährigen Kindern erprobt im Kleinen den totalen Staat verbunden mit allen Konsequenzen.

In Auszügen live gelesen von Katharina Behrens und Ulli Wenzke schauen wir in „Fliegeralarm“ hinein.

Es ist der letzte zu Lebzeiten erschienene Roman von Gisela Elsner, die damit bereits 1989 einen Beitrag zu der erst zehn Jahre später einsetzenden Debatte um den Bombenkrieg in der deutschsprachigen Literatur leistete.

Die Herausgeberin Christine Künzel hat den Text auf der Grundlage des Typoskriptes letzter Hand überprüft und wird vor der Lesung ein kurze Einführung in den Roman, sowie in die Debatte um das Buch geben.

Zugang zur Veranstaltung über https://www.facebook.com/events/931952277625831/

#femaleheritage Blogparade: Beitrag zu Gisela Elsner

Gemeinsam mit LeserInnen und AutorInnen möchte die Münchner Stadtbibliothek mit der Bloparade „#femaleheritage“ Frauen in der Erinnerungskultur präsenter machen und das Bewusstsein für ihr Werk und ihr Wirken stärken. Dabei sollen deren Leistungen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft in den Fokus rücken, die gängigen, binären und polarisierenden Weiblichkeits- und Männlichkeitsklischees jedoch außer Acht bleiben.

Dr. Christine Künzel hat zu diesem Anlass einen Beitrag über Gisela Elsner verfasst, „Gisela Elsner (1937 – 1992) – Radikalsatirikerin, Radikalfeministin, Radikalkommunistin“:

„Es ist wohl kaum eine Autorin (vielleicht noch Elfriede Jelinek) mit einer derartigen Häme und Verachtung verfolgt worden wie Gisela Elsner. Von der Literaturkritik wurde sie womöglich deshalb mit einem unvergleichlichen Hass verfolgt, weil sie eine Grenze überschritten hatte, indem sie sich einer Schreibweise verschrieb, die in ihrem aggressiven Gestus bis heute nicht nur heftig umstritten, sondern immer noch weitgehend ‚männlich‘ konnotiert ist: der Satire.“

Lesen Sie den gesamten Blogartikel hier: https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/gisela-elsner-satirikerin-feministin-kommunistin-femaleheritage/

Teilen Sie den Beitrag gerne via E-Mail oder in den Sozialen Medien.

Mehr zur Blogparade „#femaleheritage“: https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/frauen-und-erinnerungskultur-blogparade-femaleheritage/

„Das Berührungsverbot“: Neuauflage zum 50. Jubiläum der Veröffentlichung

DAS BERÜHRUNGSVERBOT
Verbrecher Verlag Berlin
Broschur, 248 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783957324252

„Gisela Elsner […] versammelt einen Freundeskreis von Durchschnittstypen, Stammtischbrüder und Gehaltsempfänger samt den Ehehälften, zu verdrossenen, hausbackenen Orgien“, kündigt der Spiegel im September 1970 die Neuerscheinung von Elsners Roman „Das Berührungsverbot“ an und ergänzt ganz richtig: „[…] Kleintragödien […] sind Gisela Elsners Stärke.“

Anlässlich des 50. Jahrestages der Erstveröffentlichung erscheint „Das Berührungsverbot“ nun in einer Neuauflage des Berliner Verbrecher Verlags mit einem Nachwort von Veronika Kracher. 

Konzipiert als Anti-Porno nimmt Gisela Elsner in der bissigen Satire die – nicht ganz so freie – sexuelle Befreiung der 68er Generation unter die Lupe. Nicht ohne Aufsehen: Im Erscheinungsjahr wurde der Roman in Österreich als jugendgefährdend eingestuft, während man im Nachbarland Schweiz eine Zeitschrift konfiszierte, die Textauszüge abdruckte. 

Im Roman wollen mehrere Paare sich im sogenannten Gruppensex üben, um der Spießigkeit ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Doch der Ausbruch, der nie einer war, endet mit einer Bestrafungsaktion.

Katharina Rutschky schrieb in der Frankfurter Rundschau: „Ist Gisela Elsner mit ihrer ungebändigten Lust an der Groteske und ihrem Insistieren auf einem apsychologischen Konstruktivismus nicht eine ältere Schwester von Elfriede Jelinek, die mit dieser Methode und teilweise vergleichbaren Inhalten bis heute erfolgreich ist?“

Hier bestellen.

 

Reiseseminar: Zeit zum Denken & für Satire in der Sächsischen Schweiz

Freitag – Sonntag, 25.09. – 27.09.2020, 16:00 – 17:00 Uhr

„Was darf Satire? Alles.“ Kurt Tucholskys Statement ist legendär und man kann es gegenwärtig immer wieder lesen. Was ist das besondere der Satire? Als literarisches Verfahren kann sie etwas leisten, was Angehörigen einer sozialen und/ oder ethnischen Gemeinschaft so schwer fällt: aus einer gewissen Distanz heraus eine alternative (andere, fremde, ungewohnte) Perspektive zu gewinnen, die für die kulturelle Selbsteinschätzung einer sozialen Gemeinschaft oder Gruppe von zentraler Bedeutung ist.

Im Reiseseminar: Zeit zum Denken & für Satire. Zur Aktualität der Werke der Satirikerin Gisela Elsner (1937-1992)
in der Sächsischen Schweiz, Wehlen
setzen wir uns mit literarischer Satire auseinander, exemplarisch mit dem Werk Gisela Elsners vor dem Hintergrund deutscher Nachkriegsgeschichte sowie der Geschlechterfrage.

Die Festschreibung der Frau auf das „andere Geschlecht“ (Simone de Beauvoir) und die dadurch bedingte paradoxe Situation des Teilhabens an und zugleich Ausgeschlossenseins von der Kultur führen zu Widersprüchen, die sich auch in den Werken weiblicher Autoren niederschlagen. Gemeinsam werden wir Auszüge aus Elsners Werk betrachten und über den Reflexionsraum, ggf. auch Aktionsraum diskutieren, den Satire bzw. künstlerisch-satirische Formate bieten können.

Ist Satire ein wirksames Mittel gesellschaftspolitischer Kritik? Kann Satire eine Annäherung an Politik bzw. gar Erkenntnis über politische Prozesse leisten? Oder handelt es sich schlicht um ein willkommenes Ventil für verbale Aggressionen?

Unterbringung in Mehrbettzimmern im Ferienhaus Wehlen

Teilnahmebeitrag trägt zu ⅔ zur Gesamtfinanzierung des Seminars bei.

Verpflegung wir werden gemeinsam kochen

Leitung PD Dr. Christine Künzel, Literaturwissenschaftlerin (Vorsitzende Internationale Gisela Elsner Gesellschaft) und weiter.

Kosten: 20 Euro

HIER ANMELDEN

Ein letztes Mal! GISELA ELSNER: HEILIG BLUT in Frankfurt/Main

am SA, 30.03. und SO, 31.03.19 um 20 Uhr läuft zum letzten Mal die Inszenierung GISELA ELSNER: HEILIG BLUT von Dramaturgin Dr. Sylvia Necker und Regisseurin Hannah Schassner // jeweils 20 Uhr, an den Landungsbrücken Frankfurt am Main.

Wer ist eigentlich der junge Gösch? Wer sind Hächler, Glaubrecht und Lüßl? Was wollen drei Alt-Nazis mit einem verweichlichten Kriegsdienstverweigerer im tiefsten deutschen Wald?

Gisela Elsners so gut wie unbekannter Road-Movie-Roman “Heilig Blut” (1982) hetzt durch Wälder, Jagdhütten, schäbige Wirtshäuser und verquaste Dörfer. Er ist eine bitterböse Analyse satter bundesdeutscher Wirklichkeit der 1970er Jahre und gibt Einblick in eine tief internalisierte NS-Volksgemeinschaft. Doch Elsner zeigt auch ihre Adaptierbarkeit: Deutsche Tugend und Ehre sind eben zeitlos – gefährlich.

Der Theaterabend „Gisela Elsner: Heilig Blut“ transformiert die scharfen Wortkaskaden und groteske Überhöhung Elsners in Bild- und Klangmetaphern, indem er sie durch einen synästhetischen Verstärker jagt und kratzt damit lustvoll die Aktualität der Erzählung aus den Spuren, die sie im Schnee von Heute hinterlassen hat. Und wie immer fällt irgendwann ein Schuss.

Mit:  Ole Bechtold, Christoph Maasch und Silvana Morabito

Regie/Textfassung:  Hannah Schassner // Dramaturgie/Textfassung/ Komposition:  Sylvia Necker // Ausstattung:  Hannah von Eiff // Assistenz:  Andrea Busmar // Regiehospitanz:  Christian Funk //  Technik:  Linus Koenig 

Flyer der Theaterproduktion als Download: HeiligBlut, Flyer

Weitere Informationen unter http://www.landungsbruecken.org/de/programm_aktuell.php?t524=detail,4120

Grafik: Prisca Ludwig