Ausstellung von Alexandra Grant im Neuen Museum Nürnberg mit einem Werk zu Gisela Elsners Roman „Abseits“ (1982)

Von Dr. Christine Künzel

Am 16. Juli 2026 wurde die Ausstellung „Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben“ der US-amerikanischen Künstlerin Alexandra Grant (*1973) im Neuen Museum Nürnberg eröffnet. Für diese Ausstellung hat sich die Künstlerin mit den Werken von acht Autorinnen auseinandergesetzt. Bis auf Hélène Cixous handelt es sich um deutschsprachige Texte, darunter die Werke bereits verstorbener Autorinnen wie Christina Ebner, Maria Catharina Stockfleth und Gisela Elsner sowie die jüngerer Autorinnen wie Pauline Füg, Rasha Khayat, Olivia Wenzel und Fatma Aydemir.

Christine Künzel vor Alexandra Grant, Mama (after Gisela Elsner, Abseits, 1982), 2026. Font: Questrial Regular Joe Prince and Laura Meseguer; Handwriting by Alexandra Grant, Originaltext / original text. Siebdruck, Farbstift, Künstlertusche-Marker, Acrylfarbe und Acryltinte auf Papier / silkscreen, colored pencil, India ink marker, acrylic paint and acrylic ink on paper. Leihgabe der Künstlerin / courtesy of the artist & carlier | gebauer, Berlin/Madrid. Foto: Christine Künzel / © Alexandra Grant & carlier | gebauer, Berlin/Madrid. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin.

Für Gisela Elsner hat sich Grant den Roman „Abseits“ (1982) ausgesucht (engl. „Offside“) – und hier eine Szene, in der die Protagonistin Lilo Besslein nach einem längeren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik mit ihrer kleinen Tochter Olwen spricht und sich dabei völlig fehl am Platze, ausgeschlossen und überflüssig fühlt. Das Werk trägt den Titel „Mama“ und besteht aus sechs zusammengesetzten großen Papierbahnen. Oben links gibt es einen größeren Textblock, der in das Gespräch zwischen Mutter und Kind einführt, unten rechts einen kleineren Textblock, in dem die Mutter frustriert feststellt, dass ihre Tochter sie offenbar nicht mehr wiedererkennt. Dazwischen befinden sich Sprechblasen ähnliche Felder, in denen die Sätze bzw. Laute aus dem Gespräch zwischen Mutter und Tochter wiedergegeben werden (z.B. „Wau-wau“, „Und wie macht die Mieze“). Alles Originalzitate aus Elsners Roman. In dem Roman geht es u.a. um Tabu-Themen wie postnatale Depression und „Regretting Motherhood“ (Bereuen der Mutterschaft).

Detail aus Alexandra Grant Mama (after Gisela Elsner, Abseits, 1982), Foto: Christine Künzel / © Alexandra Grant & carlier | gebauer, Berlin/Madrid. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin.

Am Abend des 17. Juli 2026 fand ein „Künstlerinnengespräch“ im Neuen Museum statt, an dem neben Alexandra Grant die Autorinnen Pauline Füg, Rasha Khayat, Olivia Wenzel und Fatma Aydemir teilnahmen. Moderiert wurde das Gespräch in englischer Sprache von dem amerikanischen Literaturprofessor Vance Byrd. In dem Gespräch ging es um die Auswahl der jeweiligen Texte der Autorinnen und darum, welche Aspekte und Details davon in welcher Art und Weise von Alexandra Grant künstlerisch umgesetzt wurden.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Oktober 2026. Am Abend der Finissage am 11. Oktober wird es noch ein besonderes Event geben, und zwar „Table Stories“. Während eines Mehrgänge-Menüs wird Alexandra Grant über die Auswahl der acht Autorinnen sprechen und Einblicke in ihr Schaffen gewähren. Gemeinsam mit der Literaturagentin Sharmaine Lovegrove (u.a. Gründerin der Buchhandlung Chapters, Berlin) und der Vorsitzenden der Internationalen Gisela Elsner Gesellschaft, Dr. Christine Künzel, sollen Fragen zur Sichtbarkeit von Autorinnen und die besonderen Herausforderungen für Schriftstellerinnen im Literaturbetrieb diskutiert werden. 

Weitere Informationen:

Ausstellung: https://www.nmn.de/de/programm/ausstellungen/alexandra-grant.htm

Table Stories am 11.10.2026: Table Stories am 11.10.2026 | tablestories

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